06.06.2021 19:34
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Ungerechte Corona Impfstoffverteilung unter den Bundesländern

Die amtlich festgelegte Reihenfolge für Corona-Impfungen in Deutschland funktioniert nicht, da die Bevölkerung demographisch in jedem Bundesland anders zusammengesetzt ist. Dies ist höchst ungerecht und problematisch.

Wenig Zeit? Zusammenfassung des Artikels

In ostdeutschen Bundesländern wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist die Bevölkerung durchschnittlich 3 bis 6 Jahre älter als in vielen westdeutschen Bundesländern wie z.B. Bremen und NRW.

Daraus ergibt sich schon in der Theorie ein deutliches Übergewicht an Corona-Risikopersonen im Osten. In meinen Diagrammen wird dargelegt, dass in Sachsen-Anhalt der Anteil der über 59jährigen bspw. 7 Prozentpunkte höher liegt als in NRW.

Aber die Anzahl gelieferter und verabreichter Impfdosen liegt verglichen mit Sachsen-Anhalt in einigen Bundesländern 10 bis 20% höher. Das ist rechnerisch komplett unlogisch und menschlich sowie politisch ungerecht. Das führt dazu, dass bundesweit die Impfpriorisierung schon seit Monaten nicht mehr gegeben ist.

Impfpriorisierung existiert nur in der Theorie

Die vorgeheuchelte Impfpriorisierung wird nicht konsequent durchgezogen, sie existiert nur in der Theorie. Die Theorie lautet so: Vulnarable Gruppen (Risikopersonen) sollen vorrangig (prioritär) gegen Corona geimpft werden. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist das auch vernünftig.

Es gibt 3 Priorisierungsgruppen.

Zusammengefasst sind folgende Gruppen die Risikopersonen:

  • Menschen über 60
  • Chronisch kranke Menschen
  • Bestimmte Berufsgruppen

Nun ist vermutlich relativ schwierig zu ermitteln wieviele chronische kranke und Menschen aus bestimmten Berufsgruppen es gibt. Dies wird sich vermutlich mehr oder weniger gleich in jedem Bundesland verhalten.

Was aber definitiv nicht gleich ist, ist die demographische Zusammensetzung der Bevölkerung. Diese ist in den einzelnen Bundesländern höchst unterschiedlich.

Überalterte Bevölkerung in den neuen Deutschen Bundesländern

Man kann in dieser Statistik das Durchschnittsalter der Bevölkerung je Bundesland gut sehen (Stand 2019).

Das Durchschnittsalter in Hamburg (Platz 1) liegt bei 42,1 Jahren. Das Durchschnittsalter in Sachsen-Anhalt (Platz 16) liegt bei 47,9 Jahren. Die Bevölkerung ist also in unserem Bundesland Sachsen-Anhalt durchschnittlich fast 6 Jahre älter als in der 2. größten Stadt Deutschlands. Das sind extreme Ausmaße.

Das bedeutet gleichermaßen, dass es in Sachsen-Anhalt und anderen neuen Deutschen Bundesländern auch logischerweise deutlich mehr Menschen über 60 (und damit Risikopersonen) geben muss.

Um nun die Ungerechtigkeit besser darzustellen, wähle ich folgende Beispiele:

  • Brandenburg und Sachsen-Anhalt stehen für eine deutlich ältere Bevölkerung mit mehr Risikopersonen
  • Bremen und Nordrhein-Westfalen stehen für eine jüngere Bevölkerung mit weniger Risikopersonen

Menschen über 60 in Sachsen-Anhalt und NRW

Leider habe ich keine Statistik gefunden, die die Altersstruktur der Bundesländer vergleichend prozentual übersichtlich darstellt.

Es gibt allerdings eine Übersichtskarte für Deutschland mit Tortendiagrammen, Siehe hier. Erkennbar ist hier zumindest ansatzweise, dass die gelben (60 bis 65 Jahre) und orangen (über 65 Jahre) in Sachsen-Anhalt deutlich größer sind als bspw. in NRW und Hamburg.

Zusätzlich dazu gibt es eine Statistik in absoluten Zahlen für Sachsen-Anhalt (Statista) und NRW (Statista). Dort ist zumindest erkennbar, dass die Anzahl der Personen über 65 in Sachsen-Anhalt stark nach oben ausschlägt.

Auf Basis dieser Zahlen habe ich Diagramme in LibreOffice erstellt.

Erkenntnis: In Sachsen-Anhalt liegt der Anteil der Bevölkerung über 60 Jahre 6 Prozentpunkte höher als beispielsweise in NRW. Daraus wäre zu schließen, dass die Zahl der Impfdosen für Bundesländer wie Sachsen-Anhalt bis zu einem Gewissen Punkt deutlich über dem Wert von NRW liegen müsste. Später müsste es dann so sein, dass sich die Zahlen dann ungefähr gleichauf liegen.

Anzahl geimpfter Personen in den neuen Deutschen Bundesländern geringer

Diese Logik verstehe wer will, aber nun ist es so, dass sowohl die Zahl der verabreichten als auch der gelieferten Impfdosen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt geringer ist.

Impfquote mind. 1 x geimpfter Personen (Stand 6. Juni 2021):

  • Brandenburg: 41,9 % (Platz 15)
  • Sachsen-Anhalt: 44,0 % (Platz 11)
  • Bremen: 48,9 % (Platz 1)
  • Nordrhein-Westfalen 48,2 % (Platz 3)

Impfquote vollständig geimpfter Personen (Stand 6. Juni 2021):

  • Brandenburg: 21,1 % (Platz 8)
  • Sachsen-Anhalt: 20,7 % (Platz 10)
  • Bremen: 24,1 % (Platz 2)
  • Nordrhein-Westfalen 20,9 % (Platz 9)

Wir sehen also, dass die Impfpriorisierung vielleicht in jedem Bundesland für sich genommen mehr oder weniger gut funktioniert, aber nicht Deutschlandweit funktioniert.

Wie kann es also sein, dass in Bremen bereits vor 3 Wochen Personen im Alter zwischen 50 und 59 auf Wartelisten setzen lassen konnten (Siehe hier) und geimpft wurden?

Auf der anderen Seite wurden in Sachsen-Anhalt vor 3 Wochen viele über 70jährige noch nicht impft. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit, aber es ist mathematisch bzw. statistisch logisch. Denn wenn die Bevölkerung älter ist, darf die Impfquote nicht geringer sein, sondern muss viel höher sein.

Wie erfolgt die Impfstoffverteilung nach Bundesländern?

Das ist mir ein völliges Rätsel. Ich konnte nicht herausfinden welchen Verteilungsschlüssel es gibt.

Vor ein paar Wochen wurde zwar berichtet, dass Länder wie Saarland (erhöhte Gefahr durch Virusvarianten) und Sachsen (erhöhte Gefahr, da Grenzgebiet zu Tschechien) mehr Impfstoff geliefert bekommen, aber ansonsten herrscht Stille dazu. Es ist komplett unklar weshalb das Saarland bereits 75 Dosen pro 100 Einwohner geliefert bekommen hat (Siehe Impfdashboard), Bremen 66,9 und Mecklenburg-Vorpommern 69. Brandenburg liegt auf dem letzten Platz mit 63,9 Impfstoffdosen pro 100 Einwohner.  

Mir erschließt sich nicht weshalb Bremen also 3 Impfdosen je 100 Einwohner mehr erhält als Brandenburg. Wenn man das Durchschnittsalter heranziehen würde, dann müsste die Verteilung eher umgekehrt sein.

Warum stört mich das?

Es ist kein Impfneid, sondern die Enttäuschung darüber, dass Sachsen-Anhalt und andere Ostdeutsche Bundesländer keine Ministerpräsidenten haben, die fachlich kompetent oder wenigstens clever oder charismatisch sind. Es wäre möglich gewesen, dass diese Bundesländer durch die Krise etwas aufgeholt hätten, stattdessen tritt jetzt sogar noch das Gegenteil ein. Denn geringere Impfquoten bei der vulnerablen Bevölkerung bedeutet im Umkehrschluss häufiger schwere Verläufe, höhere Todeszahlen und damit ein größerer wirtschaftlicher Abschwung. Es ist also wieder mal ein Standortnachteil.

Allgemein hat niemand den Schneid dieses Thema anzusprechen und es gab bei der Verteilung des gesunden Menschenverstandes leider sowohl unter den Ministerpräsidenten als auch in der Bundesregierung evolutionäre Probleme.

Politische Gründe?

Ich vermute, dass die Gründe politischer Natur sind. Ich möchte nicht so weit gehen und sagen, dass es korruptive Zustände sind, aber es hat "Geschmäckle".

Hier mal eine Auswahl fähiger, gewiefter Ministerpräsidenten und die dazugehörigen Bundesländer:

1. Saarland - Platz 2 bei den Erst-Impfungen

Tobias Hans (CDU) als saarländischer Ministerpräsident sitzt direkt an der Quelle, da Jens Spahn (CDU) ja der Gesundheitsminister ist und die Verteilung der Impfstoffe damit maßgeblich beeinflussen kann.
Im Gegenzug dazu hat das Saarland sehr frühzeit übertriebene Lockerungen veranstaltet, die zu höheren Corona-Fallzahlen geführt hat.
Das ist doppelt clever: Alles öffnen und dann jammern, dass die Fallzahlen so hoch sind. Die Lösung: Wir brauchen mehr Impfstoff! Der Wunsch wurde augenscheinlich erfüllt.

2. Nordrhein-Westfalen - Platz 3 bei den Erst-Impfungen

Armin Laschet (CDU) ist der Ministerpräsident von NRW und gleichzeitig CDU-Vorsitzender. Er war bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden gemeinsam im "Tandem" mit Jens Spahn, also dem Gesundheitsminister angetreten. Bei der Bundestagswahl im September muss Herr Laschet gewinnen, ansonsten ist seine Karriere schneller am Ende als die Pandemie. Mit einer erfolgreichen Impfkampagne in NRW kann er dann natürlich sehr gut punkten.
Was ich von diesen "Vorgängen" halte, kann sich jetzt sicher jeder denken.

3. Mecklenburg-Vorpommern und Schlesig-Holstein - Platz 4 und 5 bei den Erst-Impfungen

Bei diesen beiden Bundesländern habe ich das Gefühl, dass es hier um wirtschaftliche / touristische Zwecke geht. Die beiden Bundesländer liegen an Ost- bzw. Nordsee und es wäre ja fatal, wenn es wieder eine Katastrophen-Sommersaison gibt wie 2020.

Dass dabei dann Länder wie Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt hinten runter fallen - geschenkt.

Fakt ist jedenfalls, dass die Ministerpräsidenten Schwesig (SPD) und Günther clever genug sind.

Cleverness und Charisma ist Mangelware in Sachsen-Anhalt

Auf der anderen Seite haben wir einen blassen und unfähigen Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt namens Reiner Haselhoff, der sich um die Probleme seines Bundeslandes und der Bevölkerung nicht schert. Er ist das Totalversagen in Person.
Spätestens seit der Coronapandemie läuft er nur der aktuellen Entwicklung hinterher, anstatt selbst Akzente zu setzen.
Man sollte agieren und nicht nur reagieren, ansonsten ist man in dem Job völlig fehl am Platz.

Der Gipfel des Ganzen ist ja zur Zeit täglich verfolgbar. Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben die geringste Anzahl verabreichter Impfdosen. Während sich wenigstens Brandenburgs Ministerpräsident mittlerweile öffentlich darüber beschwert, ist aus Sachsen-Anhalt derzeitiges nicht zu hören.

Was besser laufen müsste

Um es nochmal zu verdeutlichen:

Die Zahl der verabreichten Impfdosen in Sachsen-Anhalt darf nicht niedriger sein, sondern muss zwingend sogar mind. 5% höher sein als z.B. in Bremen oder Nordrhein-Westfalen. Das wäre jedenfalls deutlich gerechter als im gegenwärtigen Zustand.
Ich könnte auch damit leben, dass die Impfquoten nahezu gleich sind. Es darf aber nicht sein, dass Bremen und das Saarland von Rekord zu Rekord eilen und fast durchgängig auf den vorderen beiden Plätzen stehen.

Die Impfdosen dürfen also nicht einfach nur stumpfsinnig prozentual nach der Größe der Bevölkerung geliefert und verabreicht werden, sondern nach dem Anteil an Risikopersonen.
Warum begreift das die herrschende Elite nicht?

Was soll das und warum spricht z.B. Reiner Haselhoff das nicht an? Dieser Mensch hat in meinen Augen entweder keine Ahnung oder er ist ein Wegducker.
Es sind in meinen Augen skandalöse Vorgänge.

Mit welchem Recht sind Bundesländer wie das Saarland und NRW bereits beim Impfen vieler Personen unter 60, während in Sachsen-Anhalt und Brandenburg selbst viele über 70jährige noch nicht mal ein Impfangebot erhalten haben (ganz davon zu schweigen, dass so gut wie niemand durch die Hotline durchkommt).

Vielleicht steckt ja auch mehr dahinter? Mich wundert aber sowieso nichts mehr bei der teilweise korrupten CDU (Siehe Maskendeals etc.).

Prinzip Hoffnung

Warum sich nichts an der Misere ändern wird:

  • Die herrschende politische Elite wird ihre Fehler in dieser Hinsicht sicherlich nicht beheben oder geschweige denn zugeben
  • Ein Großteil der Bevölkerung setzt sich nicht nicht mit diesen mathematischen Berechnungen auseinander
  • Die Pandemie ist sowieso bald erledigt sobald die Herdenimmunität erreicht ist (spätestens Anfang September - also rechtzeitig zur Wahl)

Das große Entsetzen wird also leider nicht einsetzen. Allerdings ist dieser Sachverhalt mal wieder beispielhaft für all die Dinge, die in Deutschland so schief laufen. Es wird bürokratisch bis ins Kleinste festgelegt was uns die Finanzämter alles wegnehmen dürfen, aber für Berechnungen im Sinne der Gerechtigkeit bleibt keine Zeit.

Daher bleibt mir nur die Hoffnung, dass mein Entsetzen über unser bemitleidenswertes Bundesland Sachsen-Anhalt demnächst sinken wird, beim Blick auf die täglich aktualisierten Zahlen im Impfdashboard. Es ist traurig, dass Sachsen-Anhalt von der Natur so schön ist, aber bei vielen gesellschaftlichen und politischen Themen auch vorher schon bundesweit auf den hinteren Plätzen gewesen ist und jetzt auch noch beim Impfen. Und Brandenburg steht nicht viel besser da. Es ist ein Desaster.

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